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Letzlich war es wohl ein Losentscheid, der mich zum Bezirksuntersekretärs der Gesellschaft für bedrohte Vorurteile befördert hat; sicherlich hatte ich mir mit einigen markigen Sprüchen gewisse Meriten erworben, etwa zu Frauen („Können nicht singen, nur fiepsen“), Zonis („Frustrierte Wendeverlierer, die nach Jahrzehnten sozialistischer Fremdherrschaft endlich mal usf.“) und Glumpsen („Kreuzung aus Zierkarotte und Jar Jar Binks“ oder auch: „Klein, grün, schleimig, arbeitsscheu und nur hinter unseren Mädchen her“) , aber mir dafür gleich den ganzen Bezirk Oberschwaben mit immerhin vierunddreißig zahlenden Mitgliedern anzuvertrauen – nun, mir sollt‘s recht sein! Eigentlich wollte ich mich sowieso nur auf dem Ticket der Gesellschaft in die Expertenkommission für die Umsetzung der Digitalisierung im Gartenbau wählen lassen, und als man in der GfBV bemerkt hatte, dass ich in punkto Arbeitsorganisation eine echte Niete bin, war der Vorstand froh, mich genau dorthin abschieben zu können und den Bezirk einem echten Verwaltungsmann zu übergeben. Ich dagegen landete auf einem aus Bundesmitteln gut bezahlten Posten und traf mich einmal im Monat mit ein paar alten Säcken, die sich über die Regularien zur Festsetzung der Tagesordnung stritten, weil sie aus verschiedenen Ministerien abgeordnet waren. Zusätzlich saßen noch Kirchenleute, zwei Quotenfrauen sowie ein Schlipsträger von der Dresdner Bank in der Kommission und, weil ja ein breiter gesellschaftlicher Konsens angestrebt werden sollte, ein etwa penisgroßer Glumps. Ich nannte ihn Glumpsi, weil ich seinen Namen eh nicht aussprechen konnte, und wir verstanden uns gut, denn wir teilten die Vorliebe für das Käsekästchenspiel. So dachte ich jedenfalls, aber er verfolgte geheime Pläne. Er lud uns alle zu einem Feldprojekt ein, vorgeblich als Beweis, dass die in unserer Mitte befindliche glumpsische Parallelgesellschaft auch als Bereicherung für das Land verstanden werden konnte. Stattdessen lockte er uns in einem Reisebus zu einem Elfriede-von-Würgassen-Konzert, wo wir inmitten von frustrierten Wendeverlierern, die nach Jahrzehnten sozialistischer Fremdherrschaft endlich mal die Sau rauslassen wollten, ein schreckliches Gefiepse ertragen mussten, während Glumpsi gleich mit beiden Quotenfrauen abgezwitschert ist. Ich hab‘s ja gleich gesagt!

09 / 2018

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