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Mein Kumpel Frerk ist sicher der mieseste DJ nördlich der Elbe, aber die Mädels stehen auf ihn und die Schwoferette ist bei uns auf dem Land (mangels Alternative) sowieso immer voll. Wenn er sich nicht gerade mit dem schönen Geschlecht verlustiert oder an den Turntables die Scheiben kreisen lässt, sucht Frerk mit wahrer Hingabe das metaphysische Etwas. Er stö­bert in Bibliotheken, analysiert seine belebte und unbelebte Umwelt, vor allem aber denkt er nach. Er hat schon sehr, sehr viel Zeit mit seinen Grübeleien verbracht, ohne dass er dem Etwas auch nur ein Jota näher gekommen wäre, aber auf einmal stand es einfach so vor sei­ner Tür. Ich befand mich gerade noch in der Küche und spülte das Geschirr (wir hatten uns Nudeln gemacht), als es klingelte. Das metaphysische Etwas fragte, ob es mal kurz das Klo benützen dürfe, und wer würde bei solcher Notlage Hilfe verweigern? Später saßen wir zu dritt im Wohnzimmer und plauderten über Kant, da gesellte sich der Begründungsendpunkt zu uns und wenig später Zeit noch das kosmische Prinzip, die mittelbare und die unmittelba­re Welterkenntnis, das Rhizom (das sah aus!) sowie die Idee des Schönen. Als dann auch noch der Ekel eintraf, wurde es Frerk dann doch zu abstrakt. Er verabschiedete sich mit der Ausrede, er müsste vielleicht noch mal auflegen, und ließ mich mit der Baggage allein. Ich bin schon in weitaus alltäglicheren Situationen kein besonders guter Gesellschafter und fühlte mich an dem Abend ziemlich verloren, doch so gegen Mitternacht vervollständigten das letzte Rätsel und das Schopenhauersche Subjekt unsere Runde. Zum Glück hatten sie beide eine Flasche Tequila dabei und wir meierten eineinhalb Stunden lang, bis so ziemlich alle besoffen unter dem Tisch lagen. Ich hatte gerade angefan­gen, mit der Idee des Schönen auf dem Sofa rumzuknutschen, da kam Frerk zurück, und zwar mit aufgeplatzter Lippe und blauem Auge. Ein Haufen übellauniger Kategorienfehler war in der Schwoferette aufgeschlagen, gefolgt von einer Truppe populärer Irrtümer, hatte ihm eine stramme Hegelsche Rechte verpasst und dann den Laden innerhalb von zehn Mi­nuten zerlegt. Angeblich wegen der schlechten Musik, berichtete mein Freund, aber ich glau­be, die waren sowieso auf Streit aus.

09/2018

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