Amoenus Rickendahl, Ehrenkonsul, hatte ein Vermögern in Siffprökeln gemacht und so der Volksre­publik Yuftistan wirtschaftlich auf die Sprünge geholfen. Da er sämtliche fünfzehn Strophen der yufti­schen Nationalhymne in der Landessprache vorzutragen vermochte (selbst nüchtern), wurde er nach dem Ableben des alten Staatspräsidenten per Akklamation ins höchste Staatsamt befördert. Nur beim Regieren zeigte er keine so glückliche Hand, denn der Reformstau, der die Republik in so ziem­lich allen Bereichen des öffentlichen Lebens lähmte, war nicht durch optimistische Sprücheklopferei wegzuschieben. Der Yufte an sich ist und bleibt ein Dickschädel, Veränderungen werden grundsätz­lich als etwas Negatives wahrgenommen – eine Erfahrung, die Rickendahls Amtsvorgänger samt und sonders geteilt hatten. Und auch er machte Bekanntschaft mit der sprichwörtlichen Undankbarkeit des Staatsvolks, welche er bisher nur für gehässige Behauptungen der Nachbarrepubliken (wenn man sie so nennen soll) gehalten hatte: Keine drei Wochen nach der Inauguration wurde ihm ein Auszug aus der Landesverfassung zugespielt, aus dem die Nachfolgemodalitäten für Regierungspos­ten her­vorgingen: Weder Wahlen noch Rücktritt waren aufgeführt, ausschließlich das Ableben des Amtsin­habers war als Bedingung für eine Neubesetzung vorgesehen... Rickendahl musste schlucken und ließ mir einen Arbeitsplatz im Bleiernen Turm einrichten. Schon saß ich im nächsten Flieger nach der Yuftischen Hauptstadt. Meine – unsere – erste Maßnahme bestand darin, dem Volk wieder etwas mehr Orientierung zu verschaffen und die Anzahl der Wegweiser zur nächsten öffentlichen Toilette zu verdoppeln. Mein Praktikum als Museumspädagoge sollte sich hier bezahlt machen, so hoffte ich, doch die Beliebtheitswerte stiegen kaum. Mein nächster Vorschlag sollte das Verkehrscha­os eindäm­men, indem alle Ampeln um eine vierte Farbe, extra für liegen gebliebene Fahrzeuge, er­weitert wur­den – der Ruck durch die yuftische Gesellschaft blieb aus. Auch der Versuch, mit einer Strafrechtsre­form die Wirtschaft weiter anzukurbeln und für Kannibalismus an Minderjährigen Sozi­aldienst in der großen Prökelmühle ableisten zu lassen, machte uns keine Freunde. Als zwei techni­sche Sekretäre in kaum verwendbarer Form vor der Bürotür abgelegt worden waren und die Palast­wache innerhalb des Gebäudes postiert wurde, begann mein Freund einzusehen, dass seine Regie­rungszeit sich dem Ende neigte. Auf dem Vorplatz wurde eine große Doppelfriteuse montiert, das Volk sammelte sich und wir überhäuften einander mit Vorwürfen. Hätten wir vielleicht einfach schon im Vorfeld das Stel­lenprofil für einen Troubleshooter etwas schärfen sollen? Wer weiß?

04/2019