Wegen meines Gelübdes, die vegane Ernährung zu fördern, schied ich bei den Schmalzkuchenbäckern aus und heuerte als Freelancer bei einem Pyramidenbausyndikat an. Dort scheint man Großmäulern wie mir eine Menge Vorschusslorbeeren zu gewähren; auf jeden Fall konnte ich mir gleich den Kontrakt zur Entwicklung eines Möbius-Tetraeders sichern. Dies zeigte sich aber schwieriger als gedacht, was ich auf meine nicht eben glückliche Hand bei der Auswahl möglicher Werkstoffe zurückführe. Legosteine waren ein Totalausfall und auch Zellulose, Quarkprotein und Zwei-Komponenten-Brandschutzschaum erwiesen sich als gänzlich ungeeignet. Nach einem in allen Belangen niederschmetternden und extrem peinlichen Fehlschlag beim Testen lebender Kraniche erbat ich mir mehr Zeit und ging in Klausur. – Es waren nicht einmal vier Monate vergangen, da wurden die Auftraggeber ungeduldig und schickten ihre Gorillas sowie – was noch schlimmer war – ihre Nasenaffen. Ich bekam es mit der Angst zu tun, als der Portier die Truppe über die Haustelefonanlage ankündigte. Sofort verrammelte ich die Tür und verschwand durch das Fenster auf einen Mauervorsprung, um mich in die Nachbarwohnung abzusetzen. Doch schon bevor ich mich für meine Dummheit verfluchen konnte – ich hatte die gesamte Etage gemietet – fiel ich vom Sims und landete zunächst dreizehn Stockwerke tiefer in einer offenen Mülltonne und über Umwege auf einer toxischen Deponie in Äquatornähe. Ich entkam den bitteren Dämpfen brennender Kabelummantlungen und Computergehäuse durch einen gewagten Sprung auf einen Schüttgutfrachter, ließ mir von der Bordärztin den von Pusteln, Brandblasen und Verätzungen arg verunstalteten Körper in einen einigermaßen präsentablen Zustand zurückversetzen und checkte im Hamburger Hafen wieder aus. Nun gilt es nur noch, mich der Affenbande zu entledigen, aber jetzt hab ich erst mal Durst.

04/2018