Hört, was ich heut zu berichten habe,
denn sonst nehm ich die Geschichte mit ins Grabe.
Es war meine schönste Zeit,
ich war jung und ständig breit,
als ich Hinnerk Hansens Selbstgebrannten stahl.

Was mich bewog, will ich euch gern erzählen,
denn ich finde, Durst soll keinen Menschen quälen.
Dunkel war die tiefe Nacht
und ich sagt, wär doch gelacht,
heute werd ich mir 'ne Flasche Kümmel stehlen.

Am besten ist von Hinnerks Schnaps der Gelbe.
Also schlich ich durch das staubige Gewölbe,
schnappt den Fünfliterballon,
machte eilends mich davon,
als ich Hinnerk Hansens Selbstgebrannten stahl.

Wer so'ne Buddel schleppt, hat doch ne Meise!
Also setz ich mich, vernichte die Beweise,
zog mit Plopp den Korken raus,
macht der Flasche den Garaus,
und danach mich schwankend heimwärts auf die Reise.

Auf dem Weg, da dreht' ich viele Zusatzrunden
und die Straße war auf einmal sehr gewunden,
kam nach Stunden erst ans Ziel,
wo ich auf die Schnauze fiel -
immerhin: Mein Haus hab ich ja noch gefunden.

Ich betrat es leise durch die Hintertüre,
auf der Treppe nahm ich lieber alle Viere.
Doch dort stand ein großer Hund
mit 'nem Zitteraal im Schlund,
als ich Hinnerk Hansens Selbstgebrannten stahl.

Am Geländer turnten fünfundzwanzig Affen,
auch die Riesenenten machten mir zu schaffen,
doch das Schlimmste von dem Spuk
war 'ne Kuh, die Brötchen buk,
als ich Hinnerk Hansens Selbstgebrannten stahl.

Die Vokabel „Morgen" ist ja ziemlich dehnbar...
Beim Erwachen wusst ich nicht mehr, was geschehn war.
Auch mein Kopf schien stark gewachsen,
reichte bis nach Niedersachsen,
nachdem ich Hinnerks Selbstgebrannten stahl.

 

08/2010